Über das Kolophonium
Der Name dieses glas- oder bernsteinartig durchscheinenden, muschelig brechenden, alkohollöslichen Stoffes kommt von der altgriechischen Stadt Kolophon ( in Lydien, zwischen Smyrna und Ephesos gelegen). Für Musiker ist es ein Stück Harz, das gleichmäßig auf die Bogenhaare verteilt zufrieden stellt oder Anlass zum Ärger bietet.
Die Harzgewinnung aus Nadelbäumen ist seit frühester Urzeit bekannt.
Dieser Rohstoff diente als Klebe- und Dichtungsstoff zum Bootsbau, zum Schäften von Steinäxten
und Pfeilspitzen etc.
Das Rohkolophonium von heute wird hauptsächlich aus dem Harz der Kiefer (pinus),
von der es 110 Arten gibt, gewonnen. Speziell die gemeine Kiefer oder die Waldkiefer
(Föhre) ist die Ertragreichste und das Harz ist von bester Qualität.
Ihr Verbreitungsgebiet liegt in Europa, Asien (Taiga), Nordamerika und Neuseeland.
Prinzipiell werden viele Nadelbäume wie Lärchen, Fichten und Tannenzur Harzung
herangezogen. Jedoch liefern sie wesentlich weniger Harz, weshalb aus diesen Harzen
gewonnene Produkte meist nur als Beigabe zur Erzeugung von Geigenharz verwendet werden.
Die Harzung erfolgt am lebenden Baum, der dadurch keinen Schaden erleidet, wie genaue
Prüfungen und Beobachtungen auf viele Jahre lang geharzten Kiefernflächen ergeben
haben. Harz ist kein "Lebenssaft", sondern nur Wundverschluss. Der erste Arbeitsschritt
zur Gewinnung des Harzes ist das Entfernen der groben Rinde zu Beginn der wärmeren Jahreszeit,
bei neu zu harzenden Bäumen in einer Höhe von etwa 50 cm. Beim zweiten Arbeitsgang werden
mit Hilfe eines Hobels V-förmige,
ca. 1 cm breite Schichten in die beim ersten Arbeitsgang verbliebene dünne Rindenschicht geschnitten.
Durch die Verwundung des Baumes beginnt das Pech in unter den Verletzungen angebrachte Behälter
zufließen. Die Verwundung des Baumes muss alle 4-5 Tage neu vorgenommen werden.
Der nächste Schritt ist die Destillation. Durch Wasserdampfdestillation wird das Harz in
zwei Komponenten aufgrtrennt: in das mit Wasserdampf flüchtige Terpentinöl und
den nichtflüchtigen Rückstand Kolophonium, das in Form von Klumpen, Flocken oder
Pulver in den Handel gelangt. Je nach Geigenharzhersteller, Rezeptur und Anwendungsgebiet
(Violine, Viola, Cello, Kontrabass) werden dem möglichst hochwertigem Rohstoff
verschiedene Zutaten beigemengt: Verschiedene Terpentine oder Wachse, auch verschiedene Metalle bzw.
Metallstaub in geringen Mengen, um damit auch gewünschte positive Auswirkungen auf die Klangfarbe
und den Ton des Instrumentes zu erziehlen. So wie bei der Saitenerzeugung ist auch bei der
Kolophoniumherstellung die genaue Zusammensetzung des fertigen Geigenharzes das ganz besondere
Geheimnis der einzlnen Produzenten und basiert zum Teil auf alten Rezepturen.Der Musiker erhält nun ein rundes oder rechteckiges, helles oder dunkles Stück Geigenharz. Damit stellt sich bereits die erste Frage: Aufrauhen oder verwenden wie gekauft - nämlich glänzend und glatt?? Ist das Geigenharz nicht zu hart, kann es wie gekauft verwendet werden? Wird eine neue Marke verwendet oder auf eine andere Marke bzw. ein Produkt eines anderen Herstellers umgestiegen, ist zu beachten, dass die Bogenhaare vorher gründlich gereinigt werden, denn die verschiedenen Marken vertragen sich möglicherweise untereinander nicht - die Bogenhaare können verseifen. Für die Reinigung wird nicht unbedingt ein Bogen- oder Geigenbauer benötigt. Am besten wird Saitenreiniger verwendet. Die Bogenhaare können damit und mit einem Tuch oder sauberen Zahnbürste gereingt werden. Achtung: nur die Bogenhaare dürfen mit dem Saitenreiniger in Berührung kommen.
Es verstärkt die notwendige Haftreibung und dient damit als Hilfsmittel, um Saiten einen Ton zu entlocken. Und zwar Saiten, die mit einem Bogen angestrichen werden. Es haftet an der rauen Oberfläche der Bogenhaare, deren Widerhaken nicht in der Lage wären, die Saite zu erfassen.
Durch die verstärkte Haftreibung sind die Bogenhaare in der Lage, die Saite aus ihrer
Ruhestellung zu bringen. In Strichrichtung des Bogens bewegt sich auch die Saite. Ist die Spannung
(Rückschnellungskraft) der Saite größer als die Haftreibung, schnellt sie zurück.
Dabei entsteht durch die enorme Geschwindigkeit Wärme, die das Kolophonium zu einem Gleitfilm
verflüssigt, auf dem die Saite in der Gleitphase zurückschnellt. Ist die Energie dieser
Phase verbraucht und die Hitzeentwicklung der Gleitbewegung beendet, dann wird die Saite mit den
Bogenhaare durch das erstarrte Kolophonium verschweißt und der Vorgang beginnt von neuem.
Dieser Vorgang wiederholt sich bis zu vielen tausend mal pro Sekunde in Abhängigkeit von der
Saitenspannung, Dicke und Masse - ein Ton wird hörbar und über einen Resonanzkörper
verstärkt. Die beschriebenen Bewegungen der Saiten sind nicht identisch mit den Bewegungen
des Bogens. Während einer einzigen Bogenbewegung entstehen unzählige der beschriebenen
Schwingungsphasen. Während dieser Zeit entstehen beim Wechsel zwischen Haft- und Gleitreibung
kurze Impulse, sogenannte Haftstöße, die den ganzen Geigenkörper zum Schwingen
anregen und als Geräusche wahrnehmbar sind.Zur Auswahl stehen unterschiedliche Qualitäten für Violine, Viola, Cello und Kontrabass. Die einzelnen Qualitäten sind meist in verschiedenen Härtegraden oder in heller oder dunkler Ausführung erhältlich. Im Normalfall ist dunkles Kolophonium etwas härter als helles und bei höheren Raumtemperaturen vorzuziehen. Die notwendige Haftkraft des Kolophoniums unterscheidet sich je nach Saitentyp und Instrument. Stahlsaiten benötigen eine niedrigere, Kunststoffsaiten eine mittlere, Darmsaiten eine höhere Haftkraft. Für den Bogeneinsatz beim Violin- und Violaspiel wird Kolophonium mit eher niedriger Haftkraft verwendet. Für Celli ist eine mittlere und für Kontrabässe eine hohe Haftkraft notwendig. Für Studioaufnahmen verwenden erfahrene Musiker ein eher weiches Kolophonium, während sie ein härteres mit mehr "Biss" im Konzertsaal bevorzugen.
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